Liebe Besucher,
schon seit Kindesbeinen an begleiten Pferde mein Leben. Als Tochter reitbegeisterter Eltern, deren Herz für ambitionierte Vielseitigkeiten schlug, startete meine Reiterlaufbahn auf ihren Buschpferden. Nach vielseitigem Beginn spezialisierte ich mich erst viele Jahre später auf die Dressur.
Jeden Tag aufs Neue fasziniert mich der Umgang mit den Pferden, ihre Ausbildung und ihr Anblick auf unseren Weiden. Denn gesunde Pferdehaltung mit viel Weidegang und Abwechslung liegt mir auf Gut Erlbach besonders am Herzen. Neben der Reiterei ist die Ausbildung, Suche und Aufzucht von talentierten Dressurpferden zu meiner Passion geworden.
Ich freue mich, Sie hier begrüßen zu dürfen und Ihnen mehr über meine Pferde und mich zu erzählen.
Schon in frühen Jahren, unterlagen meine Schwester und ich dem unheilbaren Virus „Pferd". Mein Vater Claude Wortmann - eigentlich ein Unternehmer -, verbrachte in der Jugend seine Ferien auf dem Großgrundbesitz seines Onkels.
Dort hatte er den ersten Kontakt zu Pferden und diese prägende Zuneigung sollte sich bis zu seinem Lebensende nicht mehr ändern. Er träumte von einem Leben auf dem Land, mit Landwirtschaft und vor allem hoch zu Ross. Glücklicherweise ließ der wirtschaftliche Erfolg in seinem Beruf diese Träume zu. Als Reitdisziplin wurde auf Grund der exzessiven Bewegung an der frischen Luft und in der freien Natur, die Vielseitigkeit auserkoren. Das erste Pferd, das erstanden wurde, war Hasan und mein Vater frönte dem Jagdreiten. Als er eines Tages kurzfristig beruflich verhindert war, wurde kurzer Hand meine Mutter Ragnhild als Ersatzreiter „nachnominiert". Wie die bis dahin gänzlich reitunerfahrene Junglehrerin das überlebt hat, ist bis heute unerklärlich, die Spätfolgen sind aber immer noch spürbar. Alle Mitglieder der Familie Wortmann - bis auf mein Bruder -, sind unwiederbringlich tief im Reitsport verwurzelt.
Die Pferdeanzahl vermehrte sich konstant, sodass wir irgendwann aufs Land auf einen kleinen Bauernhof zogen. Neben der Vielseitigkeit bekam jetzt auch die Zucht eine neue Bedeutung. Nach circa drei Jahren wurde klar, dass junge Pferde eingeritten werden müssen. Dies macht man am besten mit leichten Gewichten, um den Rücken der Pferde zu schonen, und da wir keine Halle besaßen, nutzten wir das Gelände. Die Auswahl der Reiter fiel bei drei Kindern auf die zwei Mädchen.
Davon gab es mehr. Mein Vater, auf der Höhe seiner athletischen Laufbahn, wusste, dass er so einen Junghengst spielend an der Longe im Zaum halten konnte. Relativ schnell reifte die Erkenntnis, dass eine lange Longe im Zug Brandspuren an den Händen hinterlässt - noch dazu sind plötzlich Pferd und Kind weg. Das Kind wurde in der ersten Kurve wiedergefunden, das Pferd im Stall.
Die Vielseitigkeitskarriere hatte ihren Höhepunkt mit Estamin und Eskalat. Zwei Pferde aus Achselschwang, mit denen meine Eltern bis Klasse S starteten. Sehr treue Wesen mit großen Herzen, die ich täglich trainierte (Geländestrecke), und die mich auch als kleines Mädchen durch meine erste Vielseitigkeit trugen. In der Annahme, dass ich ja jetzt reiten könne, versuchte ich mit meinem Pony ein Klasse-A-Springen zu bewältigen. Die dreimalige Verweigerung am ersten Sprung setzte diesem Traum ein jähes Ende. Trotzdem begleitete mich der Vielseitigkeitssport bis zum Abitur.
Meine Schwester ergab sich dem Virus kampflos, machte ihre Ausbildung bei Jörg Kaltenböck und wurde Pferdewirtschaftsmeisterin. Mit einer eigenen Anlage tauchte sie vollkommen und unwiderruflich in den Sport ein. Ich kämpfte noch dagegen an, machte mein Abitur und ging erst einmal sieben Jahre ins Ausland. Kaum jedoch wieder in Deutschland gestrandet und an der Universität, holte ich mir ein Pferd aus der Zucht meiner Mutter.
Der Pferdesport hatte mich wieder.
Nach einer längeren beruflichen Laufbahn, lernte ich meinen Mann kennen und lieben (danke, dass du diesen Irrsinn mitmachst). Als erstes schenkte ich ihm, wie konnte es anders sein, ein Pferd. Und mit der Anzahl unserer Kinder wuchs auch die Anzahl unserer Pferde - bis heute. Glücklicherweise nicht im Gleichmaß - wir haben weniger Kinder als Pferde. Mein größter Dank gilt meiner Familie und den Pferden. Es gibt keine einzige Sportart auf der Welt in der
Alt gegen Jung
Frau gegen Mann
Dick gegen Dünn
Klein gegen Groß
PROFI gegen AMATEUR
antreten darf.
Und dank der einzigartigen Komponente Pferd geschehen im Viereck auch manchmal „kleine
Wunder"!
In diesem Sinne - DANKE
Herzlichst, Ihre
